Exclusiv! Sensationell! Erstes Interview mit Rudi dem Raben!

Rek: Wie haben Sie denn das fliegen gelernt, Rudi?

Rudi: Pelle ausm fünften hat mich geschubst! Dieser Typ nä, hatte auch schwer nen Vogel! Weißte, wir mussten ja umziehen, in das Hochhaus Ecke Knorpelweg.Vaddan hatte ein Rohr falsch verlegt, deswegen war unser Nest hinüber und das Hochhaus war grad frisch gebaut! Sind dann in den Vierten!1-Raum-Wohnung, warn wa an sich ja auch gewohnt ne, nur diese Tapete, mein Güte! Kennse: so orange getupfte Schwammtechnik..na jedenfalls hatte ich eigentlich noch ne Weile bis zum ersten Flügelschlag , aber Pelle meinte ich sei ein Schisser und schubste mich vom Balkon!

Rek: Aber wichtig ist nicht der Fall, sondern die Landung! Wie war sie?

Rudi: Ja also, wenn man da ganz oben ist, auf die Welt hinabschaut, grad am begreifen ist dass man ja fliegen kann, also quasi über allem schwebt, weil das tut man ja dann , da bekommt man schon mal schnell das KanyeWest-Syndrom! Da denkt man dann nicht mehr ans landen, ans: mal wieder aufn Teppich kommen, da denkste nur: „poaa leude ich hier oben und ihr da unten!“ Deswegen war die Landung alles andre als traumhaft, eher so Schnabel auf Asphalt.

Rek: Autsch! Und sind Sie dann zum Winter wieder fit geworden um in den Süden zu fliegen?

Rudi: Süden war noch nie mein Ding, meine Eltern sind oft ohne mich los! Pelle und ich sind dann oft in die Waffelbar nach Remscheid! Ein entspannter 20min Flug! Die Sally an der Theke hat uns beiden immer ein bisschen mehr heiße Kirschen und Soße drauf gemacht als den anderen. Danach sind wir oft noch kegeln, also Pelle und ich! In der Kofferbar!

Rek: Also Pelle und du, ihr seid dann doch Freunde geblieben! Das freut mich ja! Und in der Kofferbar kam es dann zur ersten Begegnung mit eurem Kompanion dem Koffer?!

Rudi: Der Koffer kann ja gut einen wegerzählen, wo er so war, was er so kann, wie viele Schnallen er kennt, welche Hand ihn getragen hat und so weiter! Manchmal beim kegeln wollte er mich verbessern, einmal da bin ich fuchsteufels wild geworden! Ich mein: in welchem Grad ich die Kugel auf die Bahn werfe ist mir doch nach drei Pillek sowas von Wurst, hauptsache die Kegel kullern! Jedenfalls wollte ich ihm die verschlussschnallen-schließen, bin aber Sau blöd ausgerutscht und er vor Schreck vom Thresen auf mich gefallen und Pelle rief nur dass wir alle jetzt Schnaps brauchen! Ich hab gereirt an dem Abend, ei ei ei, aber seit dem wars jut! Klar manchmal da…aber nö so im großen und ganzen…und der Koffer weiß schon echt ne Menge!

Rek: Und der Koffer hat vor Wochen bei einem Spaziergang ein ganzes Album voll mit Schallplatten gefunden. So richtig lustige, Uralte. Marmor Stein und Eisen bricht und sowas. War alles richtig nass und sandig, aber ihr habts geputzt und jetzt flutschen die so richtig. Sogar eine Kuschelrock wäre dabei!!! War das so ein Knackpunkt in deinem Rabendasein?

Rudi: Oha ja! Von da an war alles klar, klar wie Kloßbrühe! Das war so wie, wie Siegfried zu Roy gehört und Busta Rhymes zum HipHop. Weißte, so wie Spaghetti zum Leben dazu gehört, so ist das jetzt mit mir und Vinyl! Ich hab ja bei beim vaddan ne Ausbildung gemacht Heizung – Wasser – Rohre.
Hab viel verlegt aber jetzt, jetzt ist Schluss.
Jetzt wird aufgelegt und viel erlebt!

Rek: Na das ist doch ein schönes Schlusswort! Vielen Dank für das Klasse Interview! Bis Samstag!

Übersetzt aus dem walischen von Maren B.

Rek: Hallo, viele haben schon von dir gehört andere noch nicht. Wer bist du?
Wal: Miau, ich liebe Katzen. Hups. Meine Flossen sind so fett. Ich bin Wal. Hi!

Rek: Wie ist es da unten?
Wal: Ach du heude isset nasser als sonst. Liegt glaube ich an der Jahreszeit.

Rek: Du kommst bestimmt viel rum in den Weltmeeren. Was muss man denn gesehen haben?
Wal: Herr Schwertlowski von nebenan hat jetzt ein Muschelgarten. Hat er lange drauf gespart. Hat ihn fast sein Seepferdchen gekostet. Mit dem fährt er immer zur Arbeit. Naja der Garten. Das ist wirklich hübsch da. War letztens auf ein Krill-Süppchen da. Ansonsten ist Harri auf der Eisschollen immer ne Reise wert. Der hat immer den neusten Tratsch vom Land. Achja! Und die Korallenriffe sind auch gut hier unten.

Rek: Eine persönliche Frage: Du bist ja ganz schön schwer, selbst für einen Wal. Wie stellst du es an, nicht unter zu gehen? Und wie kann ich mir so einen Tag im Leben eines Wals vorstellen?
Wal: Ich esse Krill-light. Und mache jeden Morgen 18 Liegestützen. Dann beginnt meine Schicht. Mein Vater war schon Taxi-Wal. Habe das Unternehmen übernommen und bin ab jetzt der einzige. Klaus ist letzten Sommer hops gegangen und seit dem transportier ich alle Leute zu ihren Arbeitsplätzen oder sonstigen Zielen. Meine Routen variieren je nach Laune und manchmal mach ich einen Salto. Also unter Wasser. Naja also mehr eine Rolle. Also das mach ich wenn Passagiere mir müde vorkommen. Ich rolle sie quasi wach! Abends guck ich Wasserball. Die „Moräns 7“ sind meine liebste Mannschaft. Die haben es in sich! Manchmal kommt Rochanzki und guckt mit. Außerdem bin ich glücklich, das hilft mir nicht unter zu gehen.

Rek: Am 25.11. ist deine Party. Weißt du schon was du anziehst? Ist ja sicher nicht so leicht?!
Wal: Ich hatte an die Krawatte von Onkel Lübbert gedacht. Da sind Bananen drauf. Die hat er aus Panama. Mmmhh Panama. Da will ich auch mal hin!

Rek: Hucha, Dresscode ist also tropisches mittleres Management. Sind an diesem Abend denn alle Fische eingeladen und weißt du was so auf die Teller kommt? Zeigst du uns deine panamesischen Tanzmoves?
Wal: Alle die Lust und Laune haben und geputzte Bauchnäbel. Ich mag ja gern Krill nä. Aber Pommes Schranke und Hawaii Toast wird es werden. Getanzt wird natürlich. Auch gerne während des Essens. Dann rutscht es schneller durch und es passt mehr rein.

Rek: Okay, lecker lecker! Und gibt es ein guilty pleasure von dem du uns erzählen magst?
Wal: Ich hatte was mit Küchenchefin von Wurst Oktopus. Deswegen bekomme ich Prozente auf die Bestellung. Auf jede Pommes Schranke 10%.

Rek: Ui, wie kann man sich das denn vorstellen? Überhaupt: Partnerschaft, Freundschaft und Liebe. Wie haltet ihr es da unten damit?
Wal: Wir sind jetzt Freunde. Ulla ist wieder zu ihrem Mann zurück und ich habe mich für die beiden gefreut! Liebe ist etwas schönes. Und im Falle des Falles, dass man sich mal aus den Augen verliert bedeutet das nicht das die Liebe einfach vorbei ist. Die beiden sehen sich jetzt nicht mehr als selbstverständlich. Das ist der Schlüssel. Auf der letzten Gartenparty von Herrn Schwertlowski war Wal-Hai-Dame Gritt da. Tolle Kurven und weiche Seele. Die kommt auch zur Party! Ich freu mich, mal sehen ob wir die Mayo teilen.

Wal: Darf ich fragen ob Sie auch kommen?
Rek: Ich trete nicht mehr so gerne in Pfützen. Aber wenn der Weg sicher ist, komme ich gerne.

Rek: Ja gut, hier sitzen wir nun. Julia Batzdorf, erste Frage an dich: Was hast du heute gefrühstückt?

Julia: Ich habe ein Eiweißbrot mit gesalzener Butter und Käse und auf der anderen Hälfte so rohen Schinken gegessen.

Rek: Glaubst du an ein Leben danach?

Julia: Boah was? Ist das dein Ernst?

Rek: Ja.

Julia: Schwierig. Vom Kopf her, nein. oder vielleicht so jain. Vom Herz her ja. Weil man sich schwer davon verabschieden kann, sich selbst damit zu befassen, dass man irgendwann nicht mehr atmet. Kennst du das Gefühl? Ich habe das manchmal, wenn ich abends einen Film anschaue oder allein im Bett liege. Dann stelle ich mir vor, dass das irgendwann nicht mehr so ist und man nicht mehr da ist. Das kann man sich aber schwer vorstellen, dass man dann nicht mehr da ist und nicht mehr durch seine Augen sehen kann. Wenn man so ein bisschen esoterisch denkt, würde ich auf jedenfalls ja sagen, weil das Leben ja auch ein Kreislauf ist. Du stirbst und bist vielleicht in irgendeiner Form in einem Baum oder Hund.

Rek: Energie wir weitergegeben. Vielleicht ist man dann das Frühstück für jemand anderen.

Julia: Ein Käsebrot mit gesalzene Butter.

Rek: Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang?

Julia: Ist beides schön. Muss man sich entscheiden? Nein, beides ist schön!

Rek: Was schaust du oder hörst du zum Einschlafen?

Julia: Tatort (lacht).

Rek: Das kann ich mir gut vorstellen. Ah, da fällt mir noch ein Frage ein.
Was fällt dir zu einer weißen Wand ein?

Julia: Erstmal nichts. (lacht)

Rek: Muss da was dran sein?

Julia: Nein, nicht unbedingt. Weil man auch so viel sieht. Dann ist so eine weiße Wand auch mal ganz schön. Aber wenn du in einem whitecube hängst und da hängt gar nichts, dann ist das schon beängstigend. Kommt auch darauf an, wie lange du auf die Wand schaust. Bei 12 Stunden wirst du vielleicht verrückt.

Rek: Deine Objekte sind ja ständig in Bewegung und drehen sich größtenteils. Schonmal so ein richtig großes Ding gedreht?

Julia: Ne, ich glaube nicht.

Rek: Was bedeuten für dich starke Motoren?

Julia: Ich hätte gerne einen richtig starken Motor.

Rek: Einen mechanischen Motor oder auch einen Motor für dich selbst?

Julia: Der Motor für mich selbst ist auf jedenfalls stark ausgeprägt.

Rek: Da fällt mir ein: Wie lange kannst du die Luft anhalten?

Julia: Ich konnte als Kind mal 35 Sekunden die Luft anhalten.

Rek: Ist das eine Bahn?

Julia: Kommt drauf an wie schnell man schwimmt. (lacht)

Rek: (lacht) Warst du dann eine schnelle Schwimmerin?

Julia: Nein. (lacht)

Rek: Boah, das waren schon fast alle Fragen, aber eine hab ich noch. Hast du dich schonmal im Kreis gedreht? Im Alltag oder sonst irgendwo?

Julia: Ich habe mich definitiv schonmal im Kreis gedreht und persönlich auch schon. Ich glaube, das ist auf jeden Fall ein krasse Frage, weil ich mich damit auch künstlerisch beschäftige. Ich vermute, dadurch, dass ich mein Leben lang das Gefühl habe, dass ich mich um den gleichen Punkt drehe, was jetzt aber zu detailliert und persönlich werden würde, um das hier auszuformulieren, denke ich, dass sich es da einfach immer drum dreht.

Rek: Man kann sich ja, obwohl man sich im Kreis dreht, trotzdem vorwärts bewegen. Ein Kreisel muss ja nicht auf einer Stelle stehen bleiben und man ist durch die Drehung standhafter.

Julia: Das hast du schön gesagt.

Rek: Das könnte man so vielleicht als abschließende Worte mitnehmen.

Julia: Das werde ich auf jeden Fall mitnehmen. Krass, da habe ich so noch nie drüber nachgedacht.

1. Du kommst vom Jazz, aber irgendwie auch vom Rap und von vielem anderen. Bist du selbst manchmal verwirrt zwischen den Musikstilen, wenn du auflegst? Fällt es da schwer sich zu entscheiden, in welche Richtung es geht?

Ja und Nö. Natürlich kommt einfach eins zum anderen, je nachdem was es für eine angelegenheit ist. Ich will ja niemanden ärgern. Nur n bißchen.

2. Du bist des Öfteren am Rekordertresen anzutreffen. Was bestellst’n du so, wenn du da rumhängst?
Ganz normales Pils, glaub ich. es sei denn es gibt Cocktails, dann beides.

3. Und was war bisher so die geilste Auflegerei deines Lebens?
Auf jeden fall der Abend der Rekorder II – Eröffnung, als ich mit Freddie noch spontan im Rekorder (eins) aufgelegt hab. Auf einmal war es voll und warm und voller Movement.

4. Du regelst ja auch immer ordentlich die Rekorder Basement Stories. Wie geht es da denn so weiter in nächster Zeit?
Jo! Damit haben wir dieses Jahr angefangen und es ist auf jeden Fall ziemlich super gelaufen alles. Das so viele leute auf eine Jazz-session im Rekorder kommen und dabei so eine geile Stimmung entsteht – das is einfach ein Traum. Nach der Sommerpause gehts am 21.09. weiter!

5. Wenn du jetzt in einem Flugzeug säßest und bestimmen könntest, wohin es geht – wohin würde es gehen?
Öööhm… nicht so weit auf jeden Fall, ich hasse Fliegen. Flugzeuge sind zu schwer, das geht alles eigentlich gar nicht.

Opek (Lukas Joachim) is drummer, beat producer, rapper and a good friend from dortmund, germany.

Interview geführt von Frida Buiter, im Namen der Studierenden des Seminars „Translating Niall Griffiths“

Was inspiriert dich zu schreiben?
Naja, es ist ein Job. Rechnungen inspirieren mich. Wenn ich nicht schreibe, kann ich sie nicht bezahlen. Das ist zwar die Wahrheit, aber ich weiß, du willst sicher was anderes hören: Inspiration, oder vielmehr der Drang zu schreiben, umgibt mich, es ist ein Element wie Luft. Ich finde sie im Regen, im Boden, im Gras, im Essen, in den Augen meiner Katze. Am deutlichsten und am drängendsten finde ich sie aber in Menschen; in ihrem Umgang miteinander, ihren Motivationen, ihren Taten. Nicht selten sind sie bizarr, erstaunlich und selbstzerstörerisch. Wir sind eine völlig verrückte, unbeschreibliche, unendlich faszinierende Spezies.

Warum hast du angefangen zu schreiben?
Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Während meiner Kindheit gab es in unserem Haus keine Bücher, nicht mal in der unmittelbaren Umgebung. Ich bin in einer Sozialsiedlung in Liverpool aufgewachsen und da haben die Leute abgesehen von der Lokalzeitung und Artikeln über Fußball nichts gelesen. Aber mein Haus war voller Geschichten; mein Großvater hatte im Krieg gekämpft, ich hatte eine walisische und eine irische Großmutter, und diese drei Menschen waren voller Geschichten, die sie unbedingt erzählen mussten. Und ich musste ihnen unbedingt zuhören. Geschichten waren faszinierend; sie haben mein Leben bereichert, es mit Geheimnissen angereichert und der Welt eine Form von Ordnung gegeben, die ihr scheinbar fehlte. Und so waren Lesen und Schreiben für mich ungeheuer aufregend und berauschend – sie waren ein Weg, die Welt, in der ich aufgewachsen bin, zu verstehen und ihr gleichzeitig zu entfliehen. Und es war verboten! Mit einem Buch erwischt zu werden, besonders, wenn es ein Gedichtband war, schrie förmlich nach einer Tracht Prügel. Also habe ich mich mit meinen Büchern immer irgendwo versteckt, wo mich niemand mit ihnen sehen konnte. Bücher waren eine Art verbotene Schmugglerware und daher auf geradezu transgressive Weise aufregend, so wie es später Drogen sein sollten. Bücher haben diese Anrüchigkeit für mich nie verloren – sie bringen mein Blut immer noch in Wallung.

Wie schreibst du?
Nun, ich mache ausführliche Notizen, mache Fotos, zeichne und erstelle ein Portfolio mit wichtigen Materialien. Manchmal braucht es Jahre, bis ich alles zusammenhabe. Und ich entwickle detaillierte Pläne und Strukturmuster, auch wenn ich weiß, dass sie niemals in Stein gemeißelt sind und immer wieder geändert werden – wenn die Figuren immer organischer werden und sich von ihrem Schöpfer lösen, werden die Pläne angepasst. Ein wenig wie das Leben selbst. Ich höre nie Musik, wenn ich schreibe – ich brauche Stille, abgesehen von der Musik der Vögel und den Verkehrsgeräuschen. Vorher lasse ich was Lautes und Energiegeladenes laufen, um mich in Stimmung zu bringen – im Moment favorisiere ich The Clashs „Working for the Clampdown.“ Das stampft vor sich hin und rüttelt einen wach – so, wie es meine Worte hoffentlich tun werden.

Siehst du dich in der Tradition anderer Schriftsteller?
Eine Autorentradition? Eigentlich nicht – auch, wenn mir die Vorstellung gefällt, dass mich die Nachwelt in die gleiche Schublade stecken könnte wie randständige und rebellische walisische Autoren von IoIo Goch über Dafydd ap Gwilym bis Dylan Thomas. Aber ich schreibe einfach nieder, was immer aus mir raus muss.

Hast du ein Lieblingsbuch oder einen Lieblingsautor?
Ich habe dauernd ein anderes Lieblingsbuch, wobei ich mich im Moment wieder mal zu apokalyptisch-dystopischem Zeug hingezogen fühle – sicherlich aus naheliegenden Gründen: 1984, The Road, The Handmaid’s Tale. Viele moderne amerikanische Texte sprechen mich an: Hubert Selby Jr., Denis Johnson (der erst vor ein paar Wochen gestorben ist – möge seine brillante und eindrückliche Seele in Frieden ruhen). Ich lese viel Lyrik und auch viele Renaissancetragödien. Im Moment liegt Arno Gruens The Insanity of Normality (Orig.: Der Wahnsinn der Normalität) auf meinem Nachttisch. Britische AutorInnen, die mich immer wieder begeistern, sind Alan Warner und Jenny Fagan. Und Irland bringt wie immer Wunderbares hervor: Colin Barrett, Kevin Barry, Sarah Baume, Lisa McInerney.

Kannst du uns was über dein Verhältnis zu deinen Figuren erzählen?
Ich finde sie alle faszinierend, so wie ich Menschen überhaupt faszinierend finde. Ich habe keine spezielle Lieblingsfigur, obwohl Colm aus meinem ersten Roman Grits im Grunde mein Ebenbild ist. Daher empfinde ich für ihn die gleiche Hassliebe wie für mich selbst. Die Wege meiner Figuren führen in der Regel nicht ins Glück, daher fühle ich mich immer etwas schuldig für das, was ich ihnen an Schmerzen und Unheil zumute. Und ob ich sie vermisse? Das tue ich ziemlich oft, weswegen sie vermutlich immer wieder in späteren Büchern auftauchen.

Hast du einen Rat für Studierende? Zum Beispiel im Fall von Schreibblockaden?
Ich unterrichte ziemlich viele Kurse für kreatives Schreiben, so dass ich über die Jahre eine ganze Bibliothek an Ratschlägen aufgebaut habe. Was Schreibblockaden angeht, so habe ich das Konzept nie so recht verstanden. Ich habe einfach nie eine. Wie könnte ich einen Widerstand bei einer Tätigkeit empfinden, die ich so ungemein angenehm und aufregend empfinde und die meinem Dasein Bedeutung verleiht? Das wäre wie eine Essblockade oder eine Katzenstreichelblockade oder eine Atemblockade. Aber wenn es im engeren Sinne um die Tyrannei der leeren Seite geht: das ist eine der größten Sorgen angehender Schriftsteller – jeden Tag der leeren Seite oder dem leeren Bildschirm gegenüberzusitzen. Die Antwort ist einfach, sie nicht leer zu lassen. Wenn du dein Schreibpensum für den Tag erledigt hast, mach dir ein paar Notizen – es muss nur ein Wort sein, das der Kickstart für das nächste Pensum ist. Diese Notizen können etwas Persönliches sein, das scheinbar nur am Rande mit dem zu tun hat, was du schreiben willst. Aber das wird der Antrieb für dich und deine einzigartigen Fähigkeiten sein. Manchmal finde ich morgens einen Zettel an meinem Notizbuch oder meinem Laptopbildschirm, auf dem bloß ein Wort steht – „Hund“ oder „Schuhe“ oder „Biskuitkuchen.“ Und dann weiß ich genau, wie ich weitermachen muss.

Wie ist es für dich, wenn deine Arbeiten in eine Sprache übersetzt werden, die du selbst nicht beherrschst?
Es ist manchmal merkwürdig. Nimm zum Beispiel die italienische Übersetzung meines Romans Kelly+Victor. Es ist in einem Liverpooler Dialekt geschrieben, also ging ich davon aus, dass der Übersetzer einen neapolitanischen Dialekt verwenden würde, da Neapel und Liverpool sich sehr ähnlich sind, was ihr jeweiliges politisches Verhältnis zum Rest der Nation angeht. Doch nein, er sagte, dass Italiener dann zu sehr an Neapel denken würden und nicht an Liverpool, also benutzte er die übliche italienische Umgangssprache. Was natürlich völlig an der linguistischen Politik des Buches vorbeiging. Aber ich habe seinen Standpunkt akzeptiert und somit hingenommen, dass eine Dimension des Buches in der Übersetzung verlorengeht und es gab nichts, was ich hätte tun können. Grundsätzlich macht es mir Spaß, mit Übersetzern zu arbeiten. Es kann zum Beispiel faszinierend sein, die vielfältigen Bedeutungen des Wortes „fuck“ in der englischen Umgangssprache zu erklären – und sehr witzig.

Hast du mal darüber nachgedacht, ein Kinderbuch zu schreiben?
Für Kinder schreiben? Mit einem Freund von mir, der Illustrator ist, spreche ich über ein Projekt mit dem Titel The Lost Sock. Er wird die Bilder zeichnen und ich steuere den Text bei. Es handelt von einer verlorengegangenen ungewaschenen Socke, die versucht ihren müffelnden Zwilling wiederzufinden. Doch der Zwilling wurde schon gewaschen…

Du kommst aus Kiel und bist da regelmäßig in der Schaubude auf. Erzähl mal, Kiel – schön da? Sind die Feiergewohnheiten anders als in Dortmund?

Kiel: la mer, savoir vivre …..aber nachts sind alle Katzen grau und im Rekorder fühlt´s sich eigentlich genauso an wie in der Schaubude.

House wird ja oft schnell in die „langweiliges-Elektro-Bummbumm“-Schublade geschoben. Was setzt du diesem Gerede entgegen? Was ist das Geile an House?

Ja und? Bummbumm und Bass bringen den Arsch in Bewegung. Darum geht’s! Alles andere findet in Dir selbst statt. Je simpler, desto besser. Es muss auch nicht immer Beethoven sein.

Du legst immer noch komplett ohne Laptop auf. Machen ja viele. Warum eigentlich?

Aus Gewohnheit, mangelndem Abstraktionsvermögen und wegen Verlustängsten.

Deine Das-bislang-beste-Auflegen-meines-Lebens-Story?

Hab ich leider vergessen. Grundsätzlich mit anderen Djs zusammen.

Und wann war’s mal so richtig scheiße?

Hab ich Gott sei Dank vergessen. Grundsätzlich, wenn die Gäste eine bestimmte Erwartungshaltung haben.

1. Hier, hört mal, ihr macht ja sonne Radiosendung. Die finden wir richtig gut. Aber warte, das soll ja eine Frage sein. Welchen Gast hättet ihr gerne mal da?

Aufjedenfall Twit One den Oberchef! Wenn der mal da war hören wir dann auch komplett mit Musik auf , wandern nach Brasilien aus und chillen am Strand haha… Ansonsten haben wir natürlich am liebsten die Homies aus Dortmund und Umgebung da!

2. Ihr legt sehr viel Soul auf, aber auch gerne Rap. Was sind die Unterschiede für euch beim Auflegen? Worauf muss man bei Soul achten, worauf bei Rap?

Wir finden Soul aufj eden Fall tanzbarer, warum wir meistens bei Soul/Funk am Ende des Abends landen.. Groß anders auflegen tun wir die unterschiedlichen Genres nicht… Hauptsache es ist Feuer drinne!

3. Ey, Thelonious, du wohnst ja gar nicht mehr hier. Wie isses denn jetzt in Köln? Sind die Leute nett? Und kann man da wirklich so gut Platten kaufen wie die Leute sagen?

Jawoll, ich bin seit nunmehr 4 Jahren in Kölle zuhause, allerdings kriegt mich aus 328, aber 328 nicht aus mir raus.

Köln ist großartig – weniger kernig als Dortmund, aber ich habe hier mittlerweile echt viele tolle, inspirierende Menschen kennengelernt – an der Stelle Shout Out an WinneOneTwo, Monibi und die Untergrundwelle678! Die Musikszene hier ist echt sehr breit gefächert, wodurch man mit viel verschiedenem Kram konfrontiert wird und der Geschmack sich in Richtungen wandelt, die man von sich aus nicht unbedingt einschlagen würde. Das kann man hier auch super ausleben durch die ganzen Flohmärkte und Läden wie Groove Attack, Early Bird, Topic Drift (S/o Christian Guntermann) und kriegt so nochmal andere Geschichten mit, als wenn man drüben diggt. Es ist einfach alles größer und etwas näher am Puls der Zeit hier, was aber nicht heißt, dass Dortmund hinterherhinkt – es ist einfach anders.

4. Und Black Friction, hälst du die Stellung oder bist du jetzt auch bald weg? Warum bist du überhaupt noch hier?

Ich halt auf jeden Fall die Stellung! Bin im Moment im Umzugshustle und bin ab März endlich aus Hotel Mama und Papa raus. Ihr könnt mich dann im Dortmunder Westen vorfinden… Gegenfrage: Warum sollte ich überhaupt weg? Dortmund ist 4 real!

5. Was war bislang die Auflegerei eures Lebens? Meint ihr, es könnte noch geiler werden?

Die Action mit dem SoulRabbi im Rekorder.. ist doch logisch! Oder auch die Action mit Habibi Funk…da hat sich einer bis auf die Unterhose ausgezogen…wir haben ihm dann den Popo signiert, das war super haha!
An der Stelle auch Shoutout an das niemals enttäuschende Rekorder Publikum, die einfach für alles offen sind, das macht richtig bock! Irgendwann zock ich (BlackFriction) auch bei euch den „Justin Timberlake – Rock Your Body Miami Funk Remix“ , das werd ich mich nämlich woanders wahrscheinlich niemals trauen haha

Zu unserem Freitags-Vinylstammtisch laden wir immer einen Gast ein. Diesmal ist es die wunderbare Bobby. Sie hat uns ein paar Fragen rund ums schwarze Runde beantwortet.

1. Was ist deine derzeitige Lieblingsplatte?

Oha – ich liebe so viele Platten…im Moment höre ich gerne die „Stalk-Forrest Group“- Album: St.Cecilia

2. Was passiert, wenn du auflegst?

Beim Auflegen ist Alles möglich – meistens ist es ein großer Spaß – mein persönliches Highlight war ein Abend in der Suite 23 bei dem sich die Leute beim Tanzen gegenseitig durch den Laden getragen haben und der Sound der Anlage so dermaßen gut war, dass Pille tatsächlich vom Bass die Kappe ein Stückchen hochgeflogen ist…

3. Wann hast du das erste Mal aufgelegt? Gibt’s ne gute Story dazu?

Angefangen aufzulegen hab ich auf privaten Partys (das war noch zu meiner Schulzeit) – bis ein guter Freund, der damals schon in vielen tollen Läden aufgelegt hat und auch eine eigene Partyreihe hatte zu mir gesagt hat: „Hey Bobby-warum quälst Du Dich auf diesen Partys rum-komm doch lieber mal mit uns mit und spiel Deine Platten für Leute, die da auch Bock drauf haben…Wir haben dann zuerst im „LUX“ in Essen (ehemals Rote Liebe) aufgelegt -es folgten jede Menge andere Läden und wir haben nebenher noch selber Partys organisiert. Eine für mich tolle Erinnerung ist eine illegale Party, die wir damals auf dem Gelände der Jahrhunderthalle in Bochum veranstaltet haben. Man konnte das Gelände von der Straße aus nicht einsehen und wollte man von der Jahrhunderthalle aus zu uns gelangen musste man klettern. Oben in der Halle war parallel eine Star Trek-Party und die Treki´s standen alle oben auf dem Gelände und haben uns beim Feiern zugeschaut. Es war ein super heißer Tag und Alles hat „kurz vor knapp“ noch geklappt – der Strom kam vom Generator – ein Delikatessen-Laden um die Ecke hatte uns „auf den letzten Drücker“ noch eine alte Badewanne mit Eis voll geladen, um die Getränke zu kühlen. Lokale Künstler haben die Wände mit Dia-Shows verschönert. Entlang des Geländes führten auch Bahngleise auf denen ab und an ein Güterzug entlang fuhr – plötzlich hielt ein vorbei fahrender Zug und der Lokführer fragte erstaunt, was wir da machen würden…? Wir haben ihm dann noch ´ne Cola in´s Fahrerhaus gereicht (Bier wollte er keins…) und er ist „amüsiert“ weiter gefahren. Wir haben gefeiert bis zum Sonnenaufgang und das Geld, was wir -zu unserem Erstaunen verdient haben- bei einem herrlichen Grillnachmittag verfressen und versoffen…Ach ja…..

4. Wie viele Platten hast du so?

noch nie gezählt-über´n Daumen gepeilt vielleicht so 2500…

5. Und wo legst du sonst so auf?

Mal hier mal da. In Dortmund gibt es ja leider nicht mehr so viele Möglichkeiten-die Teller habe ich schon in den meisten Läden Dortmunds mal gedreht…Immer wieder gerne bei Euch! Im Sommer auf dem Kulturschiff in Herne, auch gerne mal mit Freunden im Komet oder im Beatclub in Hamburg.

Fragen an: Love Machine

Wem würdet ihr gerne die Fresse polieren?
Niemandem.

Wer sind eure Fans?
Freaks jeder Altersklasse.

Was hat das mit den Schnäuzern auf sich?
Wo Liebe ist, dort sind auch Schnurrbärte.

Guckt ihr oft auf die Uhr?
Ja. (mehr …)