KünstlerIn des Monats August & September: Julia Batzdorf

Rek: Ja gut, hier sitzen wir nun. Julia Batzdorf, erste Frage an dich: Was hast du heute gefrühstückt?

Julia: Ich habe ein Eiweißbrot mit gesalzener Butter und Käse und auf der anderen Hälfte so rohen Schinken gegessen.

Rek: Glaubst du an ein Leben danach?

Julia: Boah was? Ist das dein Ernst?

Rek: Ja.

Julia: Schwierig. Vom Kopf her, nein. oder vielleicht so jain. Vom Herz her ja. Weil man sich schwer davon verabschieden kann, sich selbst damit zu befassen, dass man irgendwann nicht mehr atmet. Kennst du das Gefühl? Ich habe das manchmal, wenn ich abends einen Film anschaue oder allein im Bett liege. Dann stelle ich mir vor, dass das irgendwann nicht mehr so ist und man nicht mehr da ist. Das kann man sich aber schwer vorstellen, dass man dann nicht mehr da ist und nicht mehr durch seine Augen sehen kann. Wenn man so ein bisschen esoterisch denkt, würde ich auf jedenfalls ja sagen, weil das Leben ja auch ein Kreislauf ist. Du stirbst und bist vielleicht in irgendeiner Form in einem Baum oder Hund.

Rek: Energie wir weitergegeben. Vielleicht ist man dann das Frühstück für jemand anderen.

Julia: Ein Käsebrot mit gesalzene Butter.

Rek: Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang?

Julia: Ist beides schön. Muss man sich entscheiden? Nein, beides ist schön!

Rek: Was schaust du oder hörst du zum Einschlafen?

Julia: Tatort (lacht).

Rek: Das kann ich mir gut vorstellen. Ah, da fällt mir noch ein Frage ein.
Was fällt dir zu einer weißen Wand ein?

Julia: Erstmal nichts. (lacht)

Rek: Muss da was dran sein?

Julia: Nein, nicht unbedingt. Weil man auch so viel sieht. Dann ist so eine weiße Wand auch mal ganz schön. Aber wenn du in einem whitecube hängst und da hängt gar nichts, dann ist das schon beängstigend. Kommt auch darauf an, wie lange du auf die Wand schaust. Bei 12 Stunden wirst du vielleicht verrückt.

Rek: Deine Objekte sind ja ständig in Bewegung und drehen sich größtenteils. Schonmal so ein richtig großes Ding gedreht?

Julia: Ne, ich glaube nicht.

Rek: Was bedeuten für dich starke Motoren?

Julia: Ich hätte gerne einen richtig starken Motor.

Rek: Einen mechanischen Motor oder auch einen Motor für dich selbst?

Julia: Der Motor für mich selbst ist auf jedenfalls stark ausgeprägt.

Rek: Da fällt mir ein: Wie lange kannst du die Luft anhalten?

Julia: Ich konnte als Kind mal 35 Sekunden die Luft anhalten.

Rek: Ist das eine Bahn?

Julia: Kommt drauf an wie schnell man schwimmt. (lacht)

Rek: (lacht) Warst du dann eine schnelle Schwimmerin?

Julia: Nein. (lacht)

Rek: Boah, das waren schon fast alle Fragen, aber eine hab ich noch. Hast du dich schonmal im Kreis gedreht? Im Alltag oder sonst irgendwo?

Julia: Ich habe mich definitiv schonmal im Kreis gedreht und persönlich auch schon. Ich glaube, das ist auf jeden Fall ein krasse Frage, weil ich mich damit auch künstlerisch beschäftige. Ich vermute, dadurch, dass ich mein Leben lang das Gefühl habe, dass ich mich um den gleichen Punkt drehe, was jetzt aber zu detailliert und persönlich werden würde, um das hier auszuformulieren, denke ich, dass sich es da einfach immer drum dreht.

Rek: Man kann sich ja, obwohl man sich im Kreis dreht, trotzdem vorwärts bewegen. Ein Kreisel muss ja nicht auf einer Stelle stehen bleiben und man ist durch die Drehung standhafter.

Julia: Das hast du schön gesagt.

Rek: Das könnte man so vielleicht als abschließende Worte mitnehmen.

Julia: Das werde ich auf jeden Fall mitnehmen. Krass, da habe ich so noch nie drüber nachgedacht.